De Hitsch Leu vo Arosa

von Claudia Orlando

In den guten alten Zeiten von Arosa, beginnt auch die Geschichte von Hitsch. 1966 zog Familie Leu mit dem damals 6-Jährigen und seinen zwei Geschwistern nach Arosa, um auf 1800 m.ü.M als Hotelpioniere gastronomische Poesie zu schreiben. Hitsch erinnert sich gut an die glanzvollen Jahre, als die Wetteingaben am jährlichen Pferderennen auf dem gefrorenen Obersee noch ein Muss waren. Zeiten in denen noch Liebeslieder über gutaussehende Skilehrer gesungen und Eishockeyspieler beim EHC Arosa als Helden gefeiert wurden. Noch heute erzählt man sich, bis weit über die Landesgrenzen hinaus, Geschichten über die legendären Feste im alten 5-Sterne Luxus Hotel Kulm, welches zugleich klein Hitsch’s Zuhause war.

Als Sohn von Hotellerie-Legende Hans C. Leu und dessen Frau Anneliese Leu (Die Frau des Direktors) war er von Kindesbeinen an nicht nur dabei, sondern mittendrinn im glamourösen Geschehen. Die Fähigkeit, ein perfekter Gastgeber zu sein, wurde ihm wortwörtlich in die Wiege gelegt und damit auch der Wille und das unermüdliche Streben danach, das Rad der Gastronomie immer wieder neu zu erfinden. So absolvierte der wissenshungrige Hitsch, wie schon sein Vater, von 1981 bis 1985 nach der abgeschlossenen Matura, die Hotelfachschule in Lausanne und trat in die Fussstapfen seiner Eltern. Es folgten aufregende und inspirierende Auslandaufenthalte in Paris und New York. 1987 dann, mit viel theoretischem Wissen im Gepäck, war es für ihn an der Zeit ein eigenes Hotel zu übernehmen und seine eigene Erfolgsgeschichte zu schreiben. «Eden» hiess es und die Geschichten, die in diesem Hotel bis 2011 geschrieben wurden, erzählt man sich noch heute. Zusammen mit seiner grossen Liebe Valerie, revolutionierte Hitsch während 25 Jahren die Schweizer Gastronomie und Hotellerie. Von zauberhaften Themenzimmern, mit viel Liebe zum Detail eingerichtet, bis hin zum gastronomisch, ausgeflippten Wahnsinn – der Fantasie der beiden waren keine Grenzen gesetzt. Und so gab das Hotel Eden immer wieder auf’s Neue zu reden. Einmal standen beispielsweise «schwule» (lauwarme) Spaghetti auf der Speisekarte. Auch die unzähligen legendären Events und Motto Partys waren Gesprächsthema und noch so mancher spürt sie bis heute in den Gliedern. Aus der ganzen Schweiz und dem Ausland pilgerten Gäste nach Arosa, um Wintersport mit Kultur und Kulinarik zu verbinden. Selbst die Arosa Gay-Ski-Week wurde von Hitsch ins Leben gerufen und das bereits vor 14 Jahren. Sein Anspruch war immer, Gäste nach Arosa zu bringen und nicht nur von denen, die ohnehin schon kommen zu profitieren. Hierzu scheute er keine Aufwände. So wurden für eine Schlagerparty, gerne mal über 5000 Ballons aufgeblasen oder man schmückte das Hotel für die legendäre White-Night mit hunderten Metern weissem Stoff.

Hitsch und Valerie verstanden es Menschen zusammenzubringen, glücklich zu machen und emotional an ihr Haus und an Arosa zu binden. In der Hotellounge trafen sich Gäste, Einheimische und Saisoniers zum Apéro und Livemusik oder auch einfach am Kamin zum plaudern. Später genoss man ein ausgefallenes und doch bodenständiges Menu im Roggenmoser, welches der kreative Gastronome ganz nach dem Motto, Modern Suisse Cuisine führte. Oder aber man verköstigte sich im spanischen Tapas-Restaurant, bevor man im hauseigenen Kitchenclub bis in die frühen Morgenstunden das Tanzbein schwang. Hätte das Eden 2011 nicht abgerissen werden müssen, würden darin wohl noch heute die wildesten Parties Arosas stattfinden. Der Knall jedenfalls, mit dem die Eden-Ära zu Ende ging hallt noch heute durchs Tal. Und das Feuer, das im Eden entfacht wurde, brennt noch immer.

Wie der Vater so der Sohn, vermochte auch Hitsch, Menschen zu inspirieren und für die Gastronomie zu begeistern. Viele der heutigen jungen Gastronomen in Arosa, lernten im Hotel Eden nicht nur mit dem Daily Business umzugehen, sondern wurden angesteckt von Hitsch’s innovativem, verspielten und doch hoch professionellem Schaffen. Heute findet man das Feuer von damals in diversen Betrieben in Arosa wieder. Und so lohnt es sich, um nur einige zu nennen, im Provisorium 13 bei Sascha vorbei zu schauen, sich von Dani auf der Tschuggenhütte verwöhnen zu lassen oder im Restaurant Bullrian von Floh, auf eine kulinarische Reise mitgenommen zu werden. Auch der Macher vom neuen Güterschuppen Marc, schaut auf eine spektakuläre Zeit im Hotel Eden zurück. Allesamt junge Gastronomen die ihr ganzes Engagement an den Tag legen, um den wunderbaren Bergort, ganz im Sinne ihres Mentors Hitsch weiter zu prägen und farbiger denn je zu gestalten. Hitsch selber trifft man heute in alter Frische auf seiner Hörnlihütte am Berg oder im Lamm & Leu im Dorfzentrum an. Natürlich alles ganz Hitsch-like, ausgefallen und alles andere als normal. Die Älplermagronen auf der Hörnlihütte sind nicht einfach nur Älplermagronen und auch das Ambiente stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. Selbst der Gang zum stillen Örtchen wird zum Erlebnis, thront man dort tatsächlich hinter einer raumhohen Glasscheibe mit Ausblick über das Urdental und das umliegende Bergpanorama. Damit man die Aussicht noch besser geniessen kann, hängt neben der WC-Rolle griffbereit ein Feldstecher.

Für Hitsch bedeutet geradeaus denken Stillstand. Arosa hat diesem Querdenker viel zu verdanken und wir dürfen gespannt sein auf weitere Geschichten aus dem Hause Leu. Schliesslich hat auch Hitsch seiner Frau Valerie, zwischen Glamour und Trubel, Kinder geschenkt. Wie der Vater, so der Sohn, so die Tochter. Die ältere der beiden Töchter hat die Hotelfachschule bereits erfolgreich absolviert. In Lausanne natürlich. Wo denn sonst.

In diesem Sinne lieber Hitsch: Danke für deinen unermüdlichen Einsatz und für das Feuer, welches fast schon «olympisch» weitergegeben wird.


Hitsch’s Erlebnistipp:

Hitsch Leu macht auch privat gern alles anders als die Anderen und verrät uns in diesem Tipp, wie man gegen den Touristenstrom schwimmt bzw. Ski fährt und so die Pisten und Hütten fast für sich alleine hat.