De Hanuola vo Arosa

von Claudia Orlando

Seit 72 Jahren lebt Hanuola in der Aroser Bergwelt. Er war 2 Jahre jung, als er damals mit seinen Eltern aus Zürich nach Arosa zog und erste Bergluft schnupperte. Heute lebt er mit seiner Partnerin in Litzirüti, etwas talabwärts und geniesst die Ruhe um sich herum. Noch täglich trifft man ihn an auf Arosas Pisten oder abseits davon.

Seit jeher ist er in Arosa bekannt dafür, mit seinen Skiern die erste Spur vom Weisshorngipfel in die unberührten Hänge zu ziehen. Wenn man morgens um 08.20 Uhr die erste Gondel nimmt und Richtung oben schwebt, kann man sie aus der Ferne sehen, die fliessend-elegant gezogene Spur seiner Schwünge im Schnee. So mancher fragt sich, wie er das anstellt? Es scheint, als würde er auf die Berggipfel fliegen. Oder hat er einfach einen guten Draht zum Gondelpersonal? Keine Frage, denn Hanuola war langjähriger Rettungschef bei den Arosa Bergbahnen. 20 Jahre lang, über 5 Monate im Jahr, rettete er Skisportler aus brenzligen Situationen, auf und neben den Pisten. Viel entspannter hingegen waren die Gäste, die er als Bergführer sicher auf die obersten Gipfel begleitete.

Hanuola zog es schon in jungen Jahren, als er noch als Tiefbauzeichner am Zeichentisch hockte, in die Höhe. Er ertappte sich immer wieder, wie er zum Fenster hinaus und über alle Berge hinweg tagträumte. Mit 21 Jahren absolvierte er, als einer der jüngsten Teilnehmer der Schweiz, die Ausbildung zum Bergführer. Dies war der Anfang der Geschichte, wie die Tagträumereien eines jungen Hanuola zum Alltag und Inhalt seines Seins geworden sind. Hanuola machte sein Hobby nicht nur zum Beruf, er machte es zu seinem Leben. Bald schon waren alle Berge in Arosa bestiegen, alle Hänge gefahren und die Neugier auf die weite Welt und deren Gipfel wurde gross. So machte er sich während sieben Jahren jährlich für die Sommermonate auf nach Alaska, um dort als Bergführer zu arbeiten, wo er mit seinen Gästen die Weiten der Landschaft entdeckte und die Höhen der Massive eroberte. 
Wenn man Hanuola heute fragt, wo es ihm denn besser gefällt, in Arosa oder in Alaska? Dann lautet seine Antwort: «In Arosa, wo die Berge zum Anfassen nah sind, ist es genauso schön wie in den Weiten von Alaska. Wenn man aber in Alaska beispielsweise eine Tour plant, ist man 20 Tage unterwegs und bewegt sich in absoluter Abgeschiedenheit. 
In Arosa hingegen kann man in sieben Tagen sieben Touren machen und findet sich nicht weit vom Trubel, in ebenfalls abgelegener, atemberaubend schöner Natur wieder.» «In Arosa, wo die Berge zum Anfassen nah sind, ist es genau so schön wie in den Weiten von Alaska.» Hanuola Brunner, Aroser Bergführer.

Eine absolute Lieblingstour oder gar einen Herzensberg rund um Arosa gibt es für Hanuola nicht. Einmal ist es die Amselfluh, die ihn lockt, dann doch eher die Mederger Fluh, die sich ihm anbietet. Eigentlich ist er dort am liebsten, wo die Schneeverhältnisse optimal sind. Hanuola will sich nicht für die eine, wahrhaftige Tour entscheiden, sondern sich lieber alle Möglichkeiten offen lassen und sich immer wieder aufs Neue verlieben. Es sei das tiefe Gefühl der Zufriedenheit, welches ihn anzieht und auch nach so vielen Jahren noch überwältigt, wenn er auf dem Gipfel steht und in die Täler blickt. «Alle Sinne sind aktiv. Bereits beim Aufstieg. Mit offenen Augen und scharfem Blick beobachtet man die Gegebenheiten und analysiert die Schneestruktur. Man ist sensibilisiert darauf zu horchen, ob allfällige Spannungen in der Schneedecke durch das berühmte ‹WUMM Geräusch› auszumachen sind, wenn sich diese setzt», erzählt Hanuola eindrücklich. Um das alles wahrzunehmen, fahre er am liebsten ohne Helm. «Dies sollte man aber in einem Interview wohl eher nicht schreiben», meint Hanuola und empfiehlt noch im selben Atemzug: «Tragt auf jeden Fall einen Helm!». 


Auf die abschliessende Frage, was Arosa zu seinem Zuhause macht, antwortet er: «Jeden Berg in diesem Talkessel, den man von Arosa aus sehen kann, kann man mit Skiern von Stufe einfach bis schwierig befahren. Es ist für den Durchschnittstouristen absolut machbar, die maximale Höhendifferenz von 1200m zu bewältigen.» Alleine diese Antwort zeigt, dass sich Hanuola dort zu Hause fühlt, wo er mit seinen Gästen, Berge besteigen und mit ihnen oder auch alleine seine Spuren hinterlassen kann.


Gut zu wissen

Heute begleitet Hanuola persönlich leider nur noch seine Stammgäste auf die Aroser Gipfel. Wer aber seinen Spuren folgen und Arosa aus einer anderen Perspektive erleben möchte, dem empfiehlt Hanuola auf diese zwei Aroser Bergführer des Vertrauens.